Ein Batteriebrand ist nicht nur wegen Flammen und Temperatur kritisch. Er ist auch wegen der entstehenden Gase, Rauchbestandteile, Elektrolytrückstände und korrosiven Niederschläge gefährlich — für Personen, für Elektronik, für die Bausubstanz und für die spätere Beweissicherung. Vermeintlich wertlose, stark verbrannte Teile sind oft die wichtigsten Indizien.
Bei der thermischen Zersetzung des Elektrolyten und der Zellbestandteile entsteht ein komplexes Gemisch, das je nach Zellchemie, SoC, Temperaturverlauf, Sauerstoffangebot und umgebenden Materialien unterschiedlich zusammengesetzt ist. Typische Bestandteile:
Bei Akkubränden in Innenräumen geht die häufigste akute Personengefährdung nicht von der Flamme, sondern vom Rauchgas aus. CO erreicht in geschlossenen Räumen sehr schnell tödliche Konzentrationen. HF und saure Aerosole reizen Atemwege und Schleimhäute. Personen müssen sich frühzeitig zurückziehen — Selbstrettung vor Sachschutz.
Akkubetriebene Geräte bestehen aus deutlich mehr als Zellen. Kunststoffe, Vergussmassen, Leiterplatten, Kabelisolierungen, Schaumstoffe, Gehäusematerialien, Lack, Klebstoffe — all das beteiligt sich am Brand und beeinflusst die Brandentwicklung. Die Brandbilanz wird daher nicht allein durch den Akku bestimmt. Entscheidend ist das Zusammenwirken aus:
Saure Niederschläge aus Akkubränden sind besonders aggressiv gegenüber Elektronik. Leiterplatten, Steckkontakte, Schaltanlagen, Sensorik und auch Stahlbewehrungen können in Stunden oder Tagen erhebliche Korrosionsschäden zeigen — auch in Räumen, die nur indirekt vom Brand betroffen waren.
Für Sanierer und Versicherer bedeutet das: Eine Brandortsanierung nach Akkubrand muss Korrosionspotenzial und Rückstandschemie berücksichtigen. Eine reine Reinigung wie nach „normalen" Bränden ist regelmäßig nicht ausreichend. Insbesondere im Umfeld von Hochvoltbatterien in Tiefgaragen, Werkstätten und gewerblichen Speichern sind systematische Wischproben, Ionenchromatographie und gegebenenfalls Tausch betroffener Komponenten erforderlich.
Erstens: Die Sanierung muss die Reichweite der Aerosolablagerung berücksichtigen — nicht nur den unmittelbaren Brandbereich. Zweitens: Elektronik in benachbarten Räumen ist auf Korrosionsspuren zu prüfen, auch wenn sie scheinbar funktioniert. Drittens: Löschwasser kann erhebliche Schadstofffracht enthalten und ist getrennt zu erfassen.
Aus sachverständiger Sicht ist eine der wichtigsten Botschaften nach einem Akkubrand: Vermeintlich wertlose Teile dürfen nicht vorschnell entsorgt werden. Aufräumfirmen, Geschädigte, Werkstätten oder Entsorger entsorgen häufig genau die Bauteile, die später für die technische Kausalität entscheidend gewesen wären.
Konkret: Ein Stück Ladeleitung, ein deformierter Zellhalter, ein verbrannter Steckverbinder, ein Relaisrest, ein Sicherungseinsatz, eine Leiterplatte, ein verschmolzener Stecker oder ein Rest des Ladegeräts kann den Unterschied zwischen ungeklärter Ursache und gerichtsfestem Regressnachweis ausmachen.
Ein Brandschadenbild, das vor der Beweissicherung „aufgeräumt" wurde, lässt sich nicht rekonstruieren. Kein Gutachter der Welt rettet einen Schadenort, dessen Spuren im Container liegen.