Eine belastbare Kausalitätsaussage entsteht nur, wenn die Beweiskette vom ersten Bild am Schadenort bis zur Werkstoffanalyse im Labor lückenlos geführt wird. Wer eine dieser Stufen überspringt, liefert kein Gutachten — sondern eine begründete Vermutung.
Bestimmung des Brandursprungsbereichs, Bewertung der Brandspuren, der Ausbreitungsrichtung, der elektrischen Einspeisung, der Schutzorgane, der Ladezustände, der Umgebung, der Brandlasten — und der möglichen Alternativursachen. Räumliche Dokumentation mit Maßstab, mehrere Aufnahmewinkel, Übersicht und Detail.
Identifiziert werden alle relevanten Komponenten: Akku, Ladegerät, Wallbox, Schutzorgane, Steckverbinder, Sicherungen, Leitungen, FI/RCD, Unterverteilung, App-Zugang, BMS-Schnittstellen.
Asservierung aller relevanten Komponenten und Daten gemäß Beweissicherungsliste. Beschriftung, Fotodokumentation, Chain of Custody. BMS-Daten möglichst vor jedem Eingriff. Bei verunfallten oder gebrannten Hochvoltspeichern: ADR-konforme Bergung.
Bei Bedarf werden im Labor weiterführende Analysen durchgeführt:
Die Befunde werden zu einer technischen Kausalkette zusammengeführt: Vom Auslöser über den Mechanismus bis zur Schadenhöhe. Plausible, weniger plausible und auszuschließende Ursachen werden begründet voneinander abgegrenzt.
Vollständigkeit: Alle relevanten Komponenten und Daten wurden untersucht.
Reproduzierbarkeit: Ein anderer Sachverständiger käme bei gleicher Datenbasis zur gleichen Bewertung.
Alternativausschluss: Andere denkbare Ursachen wurden geprüft und nachvollziehbar verworfen.
Normbezug: Methoden und Bewertungsmaßstäbe sind benannt — VDE, UNECE, ISO, IEC, ADR, DGUV.
Trennung der Ebenen: Befund, Interpretation und rechtliche Bewertung bleiben unterscheidbar.
Nicht ausreichend ist die Aussage, ein Akku sei im Brandbereich vorhanden gewesen. Erforderlich ist die technische Bewertung, ob er den Brand verursacht hat, ob er sekundär beteiligt war, ob eine externe Brandquelle wahrscheinlicher ist — oder ob mehrere Ursachen zusammenwirkten.